Wir hatten uns lange nicht an den Gardasee getraut. Zu voll, zu heiß, zu sehr Klassiker — dachte ich. Nach einer Woche mit Mila und Jonas muss ich zugeben: Wir hatten unrecht, aber nicht so, wie ich erwartet hatte.
Die Anfahrt: lieber über den Reschenpass
Von Waiblingen aus sind es rund 500 Kilometer. Wir sind bewusst nicht über den Brenner gefahren, sondern über Landeck und den Reschenpass. Das kostet gut eine Stunde mehr, spart aber die Maut und die Stauwahrscheinlichkeit an einem Samstag im Juni. Der eigentliche Gewinn ist der Reschensee mit dem Kirchturm, der aus dem Wasser ragt. Wir haben dort eine halbe Stunde Pause gemacht, und die Kinder haben mehr Fotos gemacht als ich in der ganzen restlichen Woche.
Losgefahren sind wir um halb sechs morgens, im Schlafanzug, mit Frühstück in der Kühltasche. Das ist der einzige Trick, der bei uns zuverlässig funktioniert: die ersten beiden Stunden verschlafen die Kinder, und wir sind schon fast in Österreich, bevor die erste Frage nach der Ankunftszeit kommt.
Wo wir gewohnt haben
Wir hatten eine kleine Ferienwohnung in San Felice del Benaco am Westufer, zwei Zimmer, Balkon, zehn Gehminuten zum Wasser. Bewusst nicht Riva, bewusst nicht Bardolino. Der Ort ist unspektakulär, es gibt drei Restaurants und einen Supermarkt, und genau das war richtig. Die Kinder konnten allein zum Bäcker laufen, und wir mussten abends keinen Parkplatz suchen.
Was ich unterschätzt hatte: Die Strände am Gardasee sind fast überall Kies. Für Jonas mit seinen sechs Jahren war das anfangs eine Zumutung. Badeschuhe sind hier kein Nice-to-have, sondern die Bedingung dafür, dass überhaupt jemand ins Wasser geht. Wir haben am zweiten Tag in Salò welche gekauft, doppelt so teuer wie zu Hause.
Was sich gelohnt hat
Die Bootstour von Salò nach Isola del Garda war der Tag, von dem beide Kinder heute noch erzählen. Eine Stunde auf dem Wasser, dann eine Insel mit einer Villa, die aussieht, als hätte sie jemand für einen Film gebaut. Es kostet Geld, es ist voll, und es ist trotzdem jeden Cent wert.
Der zweite Volltreffer war banal: ein Nachmittag im Freibad von Manerba, weil das Seewasser den Kindern zu kalt war. Manchmal ist die richtige Entscheidung im Urlaub die uninspirierteste.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Wir sind in der zweiten Juniwoche gefahren, also vor den bayerischen Ferien. Das war perfekt. Ende Juli hätte ich das nicht machen wollen — schon in unserer Woche war es an den Wochenenden deutlich voller. Und ich würde die Wanderung zum Monte Baldo mit der Seilbahn nicht wieder für einen Mittwoch planen, an dem die Kinder ohnehin schon zwei anstrengende Tage hinter sich hatten. Wir haben abgebrochen, oben Pommes gegessen und sind wieder runtergefahren. Auch das war in Ordnung.
Am letzten Abend saßen wir am Hafen, die Kinder haben Eis gegessen, und Mila hat gefragt, ob wir nächstes Jahr wiederkommen. Ich glaube, das ist die einzige Bewertung, die zählt.


