Bei diesem Thema bin ich vorsichtig, weil jede Familie anders ist und weil ich selbst mehr am Handy hänge, als ich zugeben will. Was ich hier beschreibe, ist keine Empfehlung, sondern das, was bei uns seit einem Jahr hält — nachdem drei andere Systeme gescheitert sind.
Warum tägliche Limits bei uns nicht funktioniert haben
30 Minuten am Tag klingt vernünftig und war in der Praxis eine tägliche Verhandlung. Jeden einzelnen Tag ging es darum, wann diese 30 Minuten sind, ob der Film noch zu Ende geht, ob der Nachmittag mit Freunden zählt. Ich habe mehr Zeit mit Diskutieren verbracht als die Kinder mit Schauen.
Unsere Wochenregel
Jedes Kind hat pro Woche ein festes Kontingent, das an zwei Tagen liegt: Mittwochnachmittag und Samstagvormittag. An diesen Tagen ist es großzügig, an den anderen fünf Tagen gibt es nichts, und darüber wird nicht gesprochen.
Der Vorteil ist die Vorhersehbarkeit. Wenn Jonas am Dienstag fragt, ist die Antwort nicht nein, sondern morgen. Das ist ein ganz anderes Gespräch. Und weil es keine Ausnahmen gibt, wird auch nicht gefragt, ob es heute vielleicht doch geht.
Die Ausnahmen, die es doch gibt
Krankheit. Wer mit Fieber auf dem Sofa liegt, darf schauen, so viel er will. Das habe ich mir überlegt, weil es der einzige Moment ist, in dem ich froh bin, dass es Bildschirme gibt.
Lange Autofahrten. Da gilt die Wochenregel nicht, sondern eine eigene Absprache. Das haben wir explizit gemacht, damit es nicht als Aufweichung verstanden wird.
Was wir gemeinsam machen
Freitagabend ist Filmabend, und der zählt nicht auf das Kontingent. Wir schauen zusammen, mit Popcorn, und das ist etwas anderes als allein vor dem Tablet. Diese Unterscheidung verstehen die Kinder besser, als ich erwartet hätte.
Der schwierige Teil
Milas Freundinnen haben teilweise deutlich mehr Freiheiten, und darüber gibt es Gespräche. Ich sage ihr ehrlich, dass es bei anderen anders läuft und dass unsere Regel unsere Entscheidung ist, nicht die Wahrheit. Das ist mir wichtiger, als so zu tun, als gäbe es eine objektiv richtige Menge.
Und ich versuche, mich selbst daran zu halten. Nicht immer erfolgreich. Aber wenn ich abends am Handy sitze und gleichzeitig etwas über Bildschirmzeit sage, funktioniert das offensichtlich nicht.


